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Ästhetik des Angenehmen - Landschaftsarchitektur zwischen professioneller Ästhetik und Laiengeschmack

Leitung:Prof. Dr. Wulf Tessin
Laufzeit:10/2006 - 03/2008
Förderung durch:Deutsche Forschungsgemeinschaft
Bild Ästhetik des Angenehmen - Landschaftsarchitektur zwischen professioneller Ästhetik und Laiengeschmack

Kurzbeschreibung


Vor dem Hintergrund der Untersuchungen von Bourdieu (1987) und Schulze (1992) soll versucht werden, die zentralen Wesensmerkmale des ästhetischen Erlebens der Besucher städtischer Freiräume zu bestimmen und damit eine empirisch fundierte Rezeptionsästhetik in der städtischen Freiraumplanung zu begründen.
Im Forschungsprojekt geht es um die Klärung der grundsätzlichen ästhetischen Ansprüche der Bevölkerung an städtische Freiräume. Versucht werden soll, individuumsübergreifende, freiraumtypspezifische Muster, Präferenzen und Kriterien der ästhetischen Wahrnehmung und Bewertung in der Bevölkerung herauszuarbeiten.

Thesen

Zentrale These ist, dass der professionellen Landschaftsarchitektur ein der Kunst (und nicht dem Alltag) entlehnter Ästhetikbegriff und ästhetische Wertvorstellungen zugrunde liegen, die sich mit dem ästhetischen Erleben von Besuchern städtischer Freiräume nur teilweise decken:

• Anders als die künstlerisch oder ökologisch orientierte Ästhetik der professionellen Landschaftsarchitektur der letzten 20-30 Jahre orientiert sich der Laien- und Publikumsgeschmack in der alltäglichen Freiraumnutzung eher und primär an einer ‚Ästhetik des Angenehmen’.
• Diese ‚Ästhetik des Angenehmen’  zielt auf Wohlbehagen in einem ganz umfassenden (auch physiologischen) Sinn und basiert dabei wesentlich auf der Qualität des ‚Vertrauten’; anders als die professionelle Ästhetik, deren Schlüsselkategorien ‚Neuheit’ bzw. ’Originalität’ sind.

• Zugleich erlebt die Bevölkerung die Gestaltung des Freiraums nie isoliert, sondern immer (und eher beiläufig) im Kontext des jeweiligen Freiraumgeschehens und des eigenen Freiraumverhaltens. Die Laienästhetik ist daher (anders als die professionelle Ästhetik) insgesamt eher
‚performativ’, d.h. mehr geschehens- denn gestalt- bzw. werkorientiert.

• Diese Erwartungshaltung des ‚Angeneh­men’ bleibt auch noch dort latent (und sei es als leises Bedauern) wirksam, wo in bezug auf den aufgesuchten Freiraum ent­weder besondere ästhetische (etwa bei einer Besichtigung) oder primär andere als ästhetische Ansprüche (etwa bei einem Spielplatzbesuch) geltend gemacht werden.

Untersuchungskonzept

Die Forschungsarbeit basiert im wesentlichen auf qualitativen Gesprächen. Es geht nicht darum, bestimmte Geschmacksrichtungen und ästhetische Präferenzen der Besucher städtischer Freiräume auf repräsentativer Weise quantitativ zu bestimmen, sondern darum, das ‚Wesen’ des Angenehmen verstehen zu lernen und die These zu klären, ob und inwieweit das Angenehme tatsächlich die zentrale ästhetische Orientierung der Bevölkerung beim Freiraumbesuch ist.
Dies soll zum einen in längeren, narrativen Interviews erfolgen, wobei die Befragungspersonen (auch unter Zuhilfenahme vereinzelter Photos) ermuntert werden sollen, zunächst  ‚frei’ zu erzählen, ehe dann gezielt nachgefragt wird. Hier geht es um die allgemeinen ästhetischen Orientierungen beim Freiraumbesuch.

Zum anderen sollen in kürzeren sog. ‚Vor-Ort-Interviews’ zentrale Hypothesen zur ‚Ästhetik des Angenehmen’ freiraumtyp­spezifisch differenziert werden; d.h. es wird in ganz unterschiedlichen Freiräumen nach den Kriterien (Pflege, Gestaltung, Ausstattung, Publikum etc.) gefragt, inwieweit der jeweilige Freiraum als angenehm erlebt wird mit dem Ziel, die freiraumtypspezifischen Unterschiede einer ‚Ästhetik des Angenehmen’ herauszuarbeiten.

Publikationen

Tessin, Wulf (2006): Schön grün...!? Beiträge zu einer Rezeptionsästhetik in der städtischen Freiraumplanung., Beiträge zur räumlichen Planung 81, Hannover.

Tessin, Wulf (2006): Zwischen Werk- und Rezeptionsästhetik., In: Stadt + Grün, Jg. 55, H. 2, S. 29 - 34.

Übersicht