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Daniela Karow-Kluge (06.02.2008)

Gewagte Räume. Experimente als Teil von Planung zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Kunst

Betreuung: Prof. Dr.-Ing. Hille von Seggern, Prof. (em.) Thomas Sieverts (TU Darmstadt)

Link: http://www.reimer-mann-verlag.de/controller.php?cmd=detail&titelnummer=101418&verlag=4

Übersicht

Link zum e-Dokument der Universitätsbibliothek hier.

Kurzfassung

Gewagte Räume.

Experimente als Teil von Planung zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Kunst.

Heutzutage wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Großteil unseres Wissens nur vorläufig und unvollständig ist. Das Experimentieren ermöglicht, Wissen, Erfahrung und Wahrnehmung ständig zu erweitern und den jeweils aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Obwohl das Entwerfen als Handlungsweise der raumgestaltenden Disziplinen immer einen Experimentierprozess beschreibt, werden im realen Raum meist Projekte geplant und gebaut, die das Unkontrollierbare und Offene - und damit das Experimentelle und Lernen im Prozess - ablehnen. In einer unsicherer werdenden Welt und aufgrund komplexer Herausforderungen stößt dieses Planungsdenken und seine Werkzeuge an Grenzen. Es ist zu sehr auf Sicherheit bedacht und will Fehler vermeiden. Im Umgang mit Unvorhersehbarkeit, Risiko und offenen Fragen sind flexiblere und prozessorientiertere Planungsinstrumente gefordert.

Mit der Untersuchung von „Experimenten als Teil von Planung“ wird in dieser Arbeit gezeigt, dass mit einem experimentellen Handeln im öffentlichen Raum ein Kernelement für ein flexibles Planungsverständnis definiert werden kann. Anhand der dargestellten Beispiele und ihrer theoretischen Reflexion - Bezüge zur Wissenschaft, Gesellschaft und Kunst - werden besondere Eigenschaften, Leistung, Bedeutung und Potenziale von planerischen Experimenten aufgezeigt sowie illustriert, wie sie in ein praktisches Planungshandeln eingebunden werden können. Dazu wird der Blick über die Betrachtung des Experimentellen in der Landschaftsarchitektur, Architektur und im Städtebau hinaus auch auf andere Disziplinen und aktuelle Diskussionen gerichtet.

Drei Leitfragen bestimmen den roten Faden und die Ergebnisse dieser Arbeit: 1. Wie lassen sich planerische Experimente zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Kunst einordnen und welche Qualitäten übernehmen sie aus diesen drei Bereichen in Bezug auf ihre Konzeption, Gestaltung und Realisierung? 2. Was genau charakterisiert das Entwerfen und Planen mit Experimenten und was können sie im öffentlichen Raum leisten? 3. Welche speziellen Fähigkeiten braucht experimentelles Handeln im Raum und der Entwerfer und Planer von Experimenten?

„Experimente als Teil von Planung“ sind als Ergänzung zu den bekannten und bewährten Planungsinstrumenten zu verstehen. Sie werden in dieser Arbeit als temporär und reversibel angelegte „Versuchsanordnungen“ begriffen. Es sind konkrete 1:1-Experimente im realen Raum, die einerseits von präzisen Fragen an den Raum ausgehen, gleichzeitig aber auch Offenheit, Überraschungen und Lernen im Prozess zulassen. Mit planerischen Experimenten entstehen „gewagte Räume“ innerhalb des Bestehenden, die im Wagnis Neues lernen.

Die vorliegende Arbeit zeigt, wie mit planerischen Experimenten Fragen an den Raum gestaltend umgesetzt und ihre Auswirkungen im Raum beobachtet und ausgewertet werden können. Durch die Erprobung von Ideen für die Zukunft fungieren sie als Kundschafter und Wegbereiter. Sie erkunden unsicheres Terrain in kleinen, testenden Schritten. Experimente haben den Vorteil einer Welt auf Probe, die reversibel ist, Irrtümer erlaubt und das Provisorische und Unfertige zum Prinzip macht. Sie bieten – neben anderen temporären Nutzungen - eine Möglichkeit, auf die aktuellen, unsicheren Rahmenbedingungen flexibel zu reagieren und Antworten zu erhalten. Mit dem Aufbrechen bekannter Planungs- und Denkweisen verändert sich Planung insgesamt, auch konventionelle Planung wird experimenteller.

 

Abstract

Daring Spaces.

Experiments as Part of Planning Between Science, Society and Art.

It is fact that the majority of our knowledge is just temporary and incomplete. Experimentation enables us to permanently broaden our knowledge, experience and perception and to adjust them to the current conditions. Although designing as the course of action of planning disciplines describes an experimental process, in reality we plan and implement projects that deny the uncontrollable and unknown, and therefore deny experimentation and learning within the process. In a more and more uncertain environment and due to complex challenges this philosophy of planning and its tools will encounter limiting factors. This philosophy intends to minimize mistakes and strives to maintain its safe and balanced environment. To deal with uncertainty, risks and open questions, it requires more flexible and process orientated planning instruments.

Examining “Experiments as Part of Planning”, shows that experimental acting in the public open space can define a core element of a flexible understanding of planning. By looking at the used examples and their theoretical reflection in context of science, society and art, we can see special characteristics, achievements, meanings and potentials of planning experiments and this illustrates how they can be integrated into practical planning. Therefore, this dissertation examines not only experimentation in landscape architecture, architecture and urban planning, but also explores other disciplines and current discussions.

Three main questions define the central theme and the results of this work: 1. How can we classify planning experiments between science, society and art and what kind of qualities do they transfer from these three areas regarding their conception design and realization? 2. What exactly characterizes design and planning with experiments and what can they achieve in the public space? 3. Which special abilities does experimental acting in space, as well as its designer and planner need?

“Experiments as Part of Planning” is seen as a supplement of known and proven planning instruments. In this study, they are defined as temporary and reversible test environments. They are concrete 1:1 experiments in the real world, which combine both, directing precise questions on space and allowing openness, surprise and learning in process at the same time. With planning experiments “daring spaces” emerge within the existing built environment – information is gained through taking risks.

This dissertation shows how planning experiments can be designed in order to get answers, to observe effects and consequences of their intervention in space, and to analyze and evaluate them. By testing new ideas for the future, these experiments act as scouts and forerunners. In small, evaluating steps they explore unknown territory. The advantage of experiments is that they create a world on trial: it is reversible, errors are permitted, and temporary arrangements as well as incompleteness are part of the design. These experiments, besides other temporary uses, allow the possibility to receive answers and react flexibly to current uncertain conditions. By breaking down well-known ways of planning and thinking, we change the planning philosophy itself and therefore, conventional planning will get more experiential.

Daniela Karow-Kluge, Aachen, 26.11.2007