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Lucia Grosse-Bächle (2003)

Eine Pflanze ist kein Stein. Strategien für die Gestaltung mit der Dynamik von Pflanzen, Untersuchung an Beispielen zeitgenössischer Landschaftsarchitektur

Betreuung: Prof. Dr. Hille von Seggern, Prof. Dr. Volkmar Seyfang (Fachhochschuule Lippe und Höxter)

Übersicht

Pflanzen befinden sich in einem kontinuierlichen Prozess des Wandels. Sie entfalten sich nach ihren eigenen Gesetzen und verändern aktiv den Raum. Die gestalterische Arbeit mit einem lebenden Werkstoff ist nicht einfach, weil sie eine respektvolle und zugleich experimentierfreudige Haltung voraussetzt. Landschaftsarchitekten müssen sich zwangsläufig mit der Frage auseinandersetzen, bis zu welchem Punkt sie die Dynamik der Pflanzen zulassen, bzw. sogar fördern wollen oder ob sie es bevorzugen diese durch Pflegeeingriffe zu unterbinden, um ein bestimmtes Gestaltungsbild zu erzeugen.

Die Untersuchung zahlreicher Beispiele zeitgenössischer Landschaftsarchitektur zeigt, dass die Dynamik und Unberechenbarkeit der Pflanzen nur in wenigen Fällen als besondere Herausforderung an die gestalterischen Fähigkeiten der Landschaftsarchitekten betrachtet wird. In vielen Konzepten wird die Veränderlichkeit der Vegetation nicht thematisiert, allenfalls wird sie als Problem der Pflege wahrgenommen. Eine ablehnende Haltung gegenüber prozessorientierten Konzepten resultierte Ende des 20.Jahrhunderts zumindest teilweise aus der Radikalisierung der Ökologie- und Naturgartenbewegung. Ursachen und Probleme dieses Phänomens diskutiert die Autorin in einer theoretischen Reflexion und stellt sie in Beziehung zu aktuellen Entwicklungen. Im zweiten Teil der Veröffentlichung wendet sie sich den Chancen eines gewandelten Naturverständnisses zu und zeigt Wege auf, wie die Dynamik der Vegetation schöpferisch genutzt werden kann.

Es werden Konzepte und Entwurfsstrategien vorgestellt, die der Vegetation einerseits Raum zur freien Entfaltung geben, andererseits aber steuernd in die Entwicklungsprozesse eingreifen. Das Spektrum reicht von der provokanten Inszenierung eines Wachstumsprozesses über die Ästhetisierung eines gewöhnlichen Sukzessionsprozesses bis zum gestalterisch genutzten Vegetationsmanagement. In der Besprechung der Projekte wird deutlich, dass eine prägnante Gestaltungssprache durchaus mit einer an Naturprozessen orientierten Haltung vereinbar ist. Eine Planung, die Naturprozesse einfühlsam berücksichtigt muss sich nicht zwingend einer „naturnahen“ oder „naturimitierenden“ Ästhetik bedienen, wie im Rahmen der Naturgartenbewegung in den 1980er Jahren häufig proklamiert wurde. Vielmehr lässt ein gewandeltes Naturverständnis, das von der Auflösung der Gegensätze zwischen künstlich und natürlich ausgeht und die Verantwortung des Menschen für die Natur anerkennt, in Zukunft einen neuen und unbefangeneren Umgang mit dem Medium Pflanze erwarten.